Warum so wütend kleiner Mensch?

Trotzphase bei kleinen und großen Kindern


Photo from Pexels
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Ein sich auf den Boden werfendes, wütendes Kind auf dem Fußboden im Supermarkt lässt Dritte vermuten, dass dieses Kind schlecht erzogen ist. Doch so sehr der tägliche Ausnahmezustand (vor allem die Eltern) nervt - die Trotzphase ist eine unverzichtbare Entwicklungsphase eines Kindes.


Auf den Boden schmeißen, heulen, schreien - damit bist Du als Elternteil nicht allein.

 

Es ist nicht nur Dein Sprössling, der sich so verhält. Auch muss du nicht befürchten, dass bei der Erziehung etwas falsch gelaufen ist. Nein, Dein Kind verhält sich altersgemäß ganz normal!

 

 

Bei Kleinkindern im Alter zwischen zwei und drei Jahren ist bei neun von zehn Kindern lautstarkes Trotzen einmal
täglich angesagt. Der folgende Beitrag informiert Dich, warum sich Dein Kind so verhält, warum diese Phase unverzichtbar für die Persönlichkeitsentwicklung ist und wie Du Dich verhalten solltest.

 

 

Die Nerven liegen blank


Es ist verständlich, dass Deine Nerven blank liegen, wenn Dein Sohn oder Deine Tochter mit allen Mitteln ihren Willen durchsetzen will. Für Dein Kind ist die Trotzphase jedoch unverzichtbar für seine Entwicklung. Genau in dieser Phase wird der Grundstein dafür gelegt, dass es sich als Erwachsener an Regeln halten kann, seine Gefühle zu kontrollieren und mit Frust und Stress umzugehen. Im Klartext: In der Trotzphase lernt Dein Kind, später in der Gesellschaft zurechtzukommen.

 

Wenn Dein Kind das erste Mal einen Wutanfall hat, ist dies ein Zeichen für einen Fortschritt in seiner Persönlichkeitsentwicklung. Darüber solltest Du Dich eigentlich freuen. Mit dieser Phase musst Du ab einem Alter von 18 Monaten rechnen. Ab diesem Alter ist Dein Kind mobiler, lernt Laufen und entdeckt, dass es einen eigenen Willen hat. Die Folge ist meistens, dass Du Deinem Kind mehr verbietest und weitere Regeln aufstellst. Das ist der Grund, dass der Willen der Eltern und des Kindes aufeinanderprallen. Diesen Aufprall drückt Dein Nachwuchs durch einen Wutanfall aus, weil er
noch nicht dazu fähig ist, ihn in Worten auszudrücken und seine Gefühle noch nicht kontrollieren kann. Wüten, Schreien, sich auf den Boden schmeißen, mit den Füßen stampfen dient Deinem Kind als Ersatz.

 

Gefühle kontrollieren - das ist manchmal ganz schön schwer!

Genau, wie Dein Kind erst lernen muss, zu sprechen und zu laufen, muss es lernen, seine Gefühle zu kontrollieren und sich zu beherrschen. In dieser nervenaufreibenden Entwicklungsphase ist es wichtig, dass Du mit Deinem Kind weiterhin positiv und liebevoll umgehst. Als Mutter/Vater bist Du eine Schlüsselperson. Eine Trotzphase gibt sich nicht von selbst. Als Mutter beziehungsweise Vater musst Du Deinem Sohn oder Deiner Tochter zeigen, wie es seinen Frust ohne einen Wutanfall zu
bekommen, ausdrücken kann. Verbiete ihm nicht zu viel, aber setze ihm Grenzen.

 

 

Photo by Josh Willink from Pexels
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Und wie verhalte ich mich nun bei einem Wutanfall meines Sprösslings?


Nimm es mit möglichst gelassen. Aber gib nicht nach, wenn Dein Kind mit allen Mitteln durchsetzen will, dass Du
ihm einen Schokoriegel kaufst. Andernfalls lernt es, dass es bekommt, was es will, wenn seine Wut groß genug ist.

 

 

 Gibt es die Trotzphase auch noch bei Schulkindern?

 

 

Ja, auch bei Schulkindern sind des Öfteren Wutanfälle zu beobachten - sowohl in der Schule als auch daheim. Wenn Dein Kind im Grundschulalter häufiger einen Wutanfall hat, kann Stress, eine neue Umgebung und/oder Mobbing die Gründe dafür sein. Auch in dieser Situation gilt: Dein Sohn/Deine Tochter muss das Verhalten selbst in den Griff bekommen - mit Unterstützung von seinen Lehrern und von Dir.

 

 

Voraussetzung dafür sind eine klar wertende Haltung und Dein nicht wertendes Verständnis. Auf alle Fälle sollten alle Erzieher versuchen zu verstehen, wodurch ein Wutanfall ausgelöst wird. Es muss klar sein, dass negative Gefühle zum Ausdruck gebracht werden dürfen und sollen. Aber in einer fairen Weise. Berücksichtigen musst Du, dass es für ein besonders sensibles, temperamentvolles und/oder leicht in seinen Gefühlen verletzbares Kind schwieriger, seine Emotionen
zu kontrollieren. Eine Möglichkeit ist es, Aggressionen in Ehrgeiz oder Unternehmungslust umzuwandeln oder eine Sportart als Ventil zu nutzen.

 

Gewaltfreiheit ist oberstes Gebot!

 

Bei Aggressionen handelt es sich oft um ein erlerntes Verhalten. Wenn Dein Kind sieht, dass seine Geschwister oder Du mit Gewalt erfolgreich sind, übernimmt es diese Strategie. Du, Dein Partner und auch die Geschwister müssen deshalb unbedingt ein gewaltfreies Vorbild abgeben. Aggressiv kann ein älteres Kind plötzlich werden, wenn es nicht mehr allein im Mittelpunkt steht.

 

Wutanfälle, in welchem Alter auch immer, sind kein Grund für eine Diagnose durch einen Psychiater. Falls Deine Bemühungen erfolglos bleiben, kannst Du Dich von einem Psychologen beraten lassen oder Dir Hilfe von anderen betroffenen Eltern holen. Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen kannst Du im Internet recherchieren.

 


Wenn die Trotzphase niemals endet, darfst Du Deinem Kind nicht das Gefühl geben, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Im Gegenteil: Dein Kind ist ein mutiger Querdenker, dass laut Nein schreit, wenn alle um es herum brav nicken.